
Herman Melville: Moby Dick
2. April, 2008Bei vielen Büchern kann man sicher darüber streiten, ob sie nun als Klassiker gelten oder nicht. Nicht so bei “Moby Dick”: das Buch ist zweifellos ein monumentales Werk, das seinen Platz in den vordersten Reihen des Kanons mehr als verdient!
Ismael, der Ich-Erzähler der Geschichte, berichtet von seinen Erlebnissen auf dem Walfänger Pequod, kommandiert von dem einbeinigen, äußerst ehrgeizigen und leicht wahnsinnigen Kapitän Ahab. Doch es handelt sich keineswegs einfach nur um einen Roman, der von der Jagd nach dem berühmten weißen Wal Moby Dick erzählt. Vielmehr vereint Melville mehrere literarische Gattungen in diesem Werk. Er behandelt vor allem am Anfang viele religiöse Fragen (Melville war Puritaner), beschreibt detailgetreu die Anatomie der verschiedensten Walgattungen, erzählt die Geschichte des Walfangs (tatsächlich arbeitete er auf einem Walfänger) und zieht immer wieder Vergleiche zur Bibel oder zu anderen schriftlichen Werken über den Walfang.
Auch bemerkenswert ist die fast schon poetische Schreibweise, die er verwendet; vor allem wenn er (als bekennender Shakespeare-Fan) in eine Dramen-Schreibweise verfällt – meistens in den Kapiteln über Ahab – wo er kleine Regieanweisungen gibt und die Dialoge sehr an Shakespeare erinnern. Am Beeindruckendsten ist jedoch sein mehr als umfangreiches Allgemeinwissen, das er immer wieder einzustreuen weiß, besonders in Metaphern und Vergleichen (so wird der Walkopf z.B. zum “Heidelberger Fass” – wer, der nicht aus unserer Region kommt, kann damit aus dem Stehgreif was anfangen?). Durch diese äußerst umfangreichen Erzählungen kommt es erst in den letzten drei Kapiteln wirklich zur Konfrontation mit dem Weißen Wal, die beinahe schon zur Nebensache wird.
Wirklich ein Meisterwerk, das nicht zu unrecht hochgelobt wird! Wer es nicht kennt, sollte das unbedingt nachholen. Hier gilt ganz besonders: keine Verfilmung der Welt könnte jemals auch nur einen Bruchteil des Buches wiedergeben, da die eigentliche Handlung wie gesagt sehr beschränkt und fast nur auf das Ende verteilt ist.