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Ken Follett: Der Mann aus St. Petersburg

2. April, 2008

Wie bei Follett üblich kann man kaum beschreiben, worum es eigentlich geht. Nur den groben Handlungsstrang, den “roten Faden”, findet man leicht: Im Frühsommer 1914 soll der russische Fürst Orlow mit dem englischen Lord Stephen Walden über eine Militärallianz gegen Deutschland verhandeln. Um den Eintritt Russlands in den Krieg zu verhindern, plant der Anarchist Felix Kschessinsky daher ein Attentat auf Orlow, denn er will nicht, dass sein Volk im Krieg umkommt.

Das Raffinierte und Spannende an der Geschichte sind allerdings die Beziehungen der Personen zueinander: Orlow ist Waldens Neffe; Waldens Frau Lydia, die er in Russland kennenlernte, war die Geliebte von Felix, und zur Krönung spielt Charlotte Walden, die Tochter von Stephen und Lydia, noch eine sehr große Rolle, nachdem sie Felix kennenlernt…

Fantastisch, wie Follett immer wieder aus der Sicht der Hauptpersonen zu erzählen und ihre Ansichten zu erklären weiß. Sympatisiert man in einem Kapitel noch mit Walden, wenn er aus seiner Sicht die Notwendigkeit einer Allianz erklärt, so ist man im nächsten Kapitel auf Felix’ Seite, wenn dieser sich leidenschaftlich das Wesen des Anarchismus und des Sozialismus von der Seele redet. In einem Kapitel amüsiert man sich über die Bälle der Adligen und wünscht sich, dort einmal Gast zu sein; im nächsten versteht man Charlotte nur zu gut, wenn sie fast schon hysterisch wird, da ihre Mutter sie wieder wie eine Puppe behandelt und ihr nichts erklärt, denn Charlotte, die zum Dreh- und Angelpunkt der Geschichte wird, ist bereits 18 und weiß nicht, woher die Babys kommen, weiß nicht, dass es Obdachlose gibt, und erst recht nichts von Krieg. Im Verlauf der Geschichte versucht sie aus ihrem goldenen Käfig auszubrechen, bis Felix ins Spiel kommt, der sie als einziger wie eine Erwachsene behandelt.

Wieder einmal ein brillanter Roman von Follett, der alles enthält, was dieser Mann als Autor zu bieten hat: eine packende historische Handlung, Familiendramen en masse, Liebesgeschichten (natürlich mit erotischen Szenen), Action und ein großer Showdown als Höhepunkt. Unbedingt lesenswert, wie alles andere auch von Follett!

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