
Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels
11. Juli, 2008
Wertung: 5/10
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: David Koepp & George Lucas
Darsteller: Harrison Ford, Karen Allen, Cate Blanchett, Shia LaBeouf
Wie lange hat die Filmwelt darauf gewartet! Eine Fortsetzung der bahnbrechenden Indiana-Jones-Reihe nach beinahe 20 Jahren. Doch bei aller Euphorie: Wenn man weiß, dass auch hier der berühmt-berüchtigte George Lucas wieder am Werk war, ist Vorsicht geboten. Vergleiche drängen sich auf zu seiner anderen Reihe: auch auf eine Fortsetzung der legendären Star Wars Saga musste man lange warten, doch das Ergebnis war eher ernüchternd…
Sicher, bei Indiana Jones kann man nicht viel falsch machen. Allein der charismatische Titelheld garantiert schon, dass der Film nicht komplett floppen kann. Doch das große Problem ist eben, wie einst bei Star Wars, dass es sich nicht um irgendeinen alleinstehenden Film handelt, sondern immerhin um die Fortsetzung einer der bedeutendsten Reihen der Filmgeschichte. Deshalb muss sich der Film auch in anderen Maßstäben messen lassen als 08/15-Filme wie etwa die Indy-Abklatsch-Filme “Vermächtnis des Was-auch-immer” mit Nicolas Cage.
Doch zunächst zur Story, die sich als ziemlich abstrus erweist. Der Film spielt 1957, die Nazis sind verschwunden und den bösen Sowjets gewichen. Soweit also keine Überraschungen. Dann geht es jedoch los: die Russen sind hinter einem Artefakt her, das Indy einst begutachtet hatte, wobei es sich um nichts geringeres handelt, als – und jetzt kommt’s – den Außerirdischen des Roswell-UFOs. Bereits hier, zu Beginn des Films, überkommt einen eingefleischten Indy-Fan und Cineasten der Brechreiz. Aliens und Indiana Jones, das geht eben ÜBERHAUPT nicht. Einfach nur lächerlich, was hier aufgezogen wird. Mal abgesehen davon, dass es total langweilig und unsinnig ist, so eine uralte Ami-Kindergruselgeschichte in ein Indy-Abenteuer einzubauen, gehört sowas wohl eher zu Akte X als in die christlich-mysthische Indy-Reihe. Aber an Akte X musste ich sowieso öfter denken, vor allem am Ende. Die Schlussszene sieht genauso aus wie die in Akte X – Der Film, als das riesige UFO aus dem Eis bricht und abhebt, während Mulder fasziniert danebensteht. Doch zurück zum Plot: unterwegs trifft Indy auf einen jungen rebellischen Mann, der ihn um Hilfe bittet, seine Mutter zu finden. Natürlich wusste man schon vorher, dass es sich um Indys Sohn handelt, und bei der Mutter um Marion Ravenwood, die man noch aus dem ersten Teil kennt. Angesichts der bereits erwähnten Details ist der Titel des Films vielleicht irreführend, doch diese Kristallschädel stellen sich als die Totenköpfe der Aliens heraus, die in Südamerika aufbewahrt wurden. Der fehlende Kopf soll nun an seinen Platz in einem Tempel dort zurückgebracht werden, was nach einem wilden Wettlauf mit den Russen schließlich auch gelingt. Soviel zur Story, die ziemlich konstruiert und eben (es gibt kein besseres Wort) lächerlich rüberkommt. Verdammt seien Spielberg und seine Vorliebe für Aliens.
A propos lächerlich, die bereits erwähnten neuen “Bösen” ersetzen einfach 1:1 die Nazis, die sich genauso plump und einfallslos verhalten. Nur, dass letztere zumindest noch eigene Charaktere vorweisen konnten, die schön klischeehaft-ironisch in Szene gesetzt waren (der schleimige Dietrich im ersten Teil, die schöne Elsa Schneider im dritten Teil, der Kollaborateur Belloq…). Da kann kein Russe im neuen Film mithalten, nicht einmal Cate Blanchett. Und weil ich schon bei den Schauspielern bin, ein weiterer Aufreger ist Spielbergs neuer Liebling, Shia LaBeouf. Er gibt sich zwar sichtlich Mühe, doch irgendwie nervt es, wie er versucht, auf Teufel komm raus den harten Rebellen zu markieren (Stichwort: Messer). Ein James Dean hätte diesen Milchbubi mit Links an die Wand gespielt. Die lächerliche urplötzliche Wandlung schließlich vom Teenie-Rebell zum braven Indy-Sohn spottet jeder Beschreibung.
Abgesehen davon gibt es auch mehrere kleine Nörgelpunkte, wie zum Beispiel das Ableben von Indys Vater, das nicht erklärt wird – der Mann hat schließlich vom heiligen Gral getrunken und kann nicht einfach so gestorben sein. Das hätte man eleganter lösen können, indem man einen Unfall oder ähnliches erwähnt. Hier zeigen sich wirklich unnötige Fehler, die bei einer angeblich so langen Vorbereitungszeit nicht passieren dürften. Ebenfalls fragwürdig ist die Szene, in der Indy versehentlich einen Atombomben-Test auslöst (!) und diesen anschließend auch noch überlebt (!!) – in einem Kühlschrank (!!!). Der Hinweis auf der Kühlschranktür, dass selbige mit Blei verkleidet sei, ist hier zwar ein schlüssiges Detail, doch trotzdem wirkt es arg bei den Haaren herbeigezogen.
Doch vollends verreißen möchte ich den Film auch nicht, denn schließlich handelt es sich ja um eine meiner Lieblingsreihen. Der Film hat auch seine starken Momente, die Situationskomik ist wieder einmal gut gelungen, wie auch schon in den Vorgängerfilmen. Besonders nett fand ich die vielen kleinen Anspielungen auf die früheren Filme, die mit viel Liebe fürs Detail eingebaut worden sind, und die nur Kenner der alten Trilogie auch wirklich identifizieren können. Vermutlich habe ich auch einiges übersehen, doch mir sind genügend Details aufgefallen, die mir immer wieder ein Schmunzeln zwischen die Sorgenfalten zaubern konnten. Erwähnt sei hier beispielsweise die Verfolgungsjagd auf Mutts Motorrad, die nur so vor Anspielungen auf die Verfolgungsjagd im dritten Teil strotzt: auch hier sitzen ein eher skeptischer Vater und ein überschwänglicher Sohn auf dem Motorrad, die sich ähnlicher Gesten und Mimiken bedienen wie bereits Henry Junior und Senior.
Alles in allem allerdings trotzdem eine bittere Enttäuschung für jeden, der die alten Filme kennt – und alles andere als ein Anreiz für Indy-Neulinge, sich die anderen Teile anzusehen. Oder die Alten sind, falls ihnen der aktuelle gefallen hat, eine Enttäuschung, weil die ja tiefgründiger sind. George Lucas sollte sich schämen, 20 Jahre auf ein Sequel zu warten und dann sowas abzuliefern. Im Prinzip fällt das Ergebnis beinahe grausamer aus, als es bei Star Wars der Fall war. Falls die Drohung war wird, und es einen Indy 5 gibt, dann sollten die Macher vorher aber bitte wirklich über die Handlung nachdenken, und nicht nach 20 Jahren Nichtstun so eine bescheuerte Story auskramen. Wenn nach angeblich jahrelanger Überarbeitung des Skripts am Schluss so etwas wie dieser Film herauskommt, dann würde mich die erste Skriptfassung direkt mal interessieren…